Nun möchte ich in einen kurzen Beitrag darüber schreiben und auflösen, was ich an große Veränderungen der letzten Wochen, gar Monate, erlebt/durchlebt hatte und warum es mir nun um einiges besser geht! 

Ja, es wird wohl für mich der am schwierigsten Schritt sein, denn ich je „nach vorne“ gemacht habe! An die Öffentlichkeit zu gehen mit einem Thema, dass ich bislang nur mit mir ausgemacht habe, doch nun habe ich das große Bedürfnis mich mitzuteilen. Nicht nur, weil ich mir dadurch eine seelische „Erleichterung“ erhoffe, sondern auch auf einen regen Austausch mit euch hoffe!

Ich wusste, dass es nicht lange dauern wird bis ich Verbesserungen an mir bemerken würde, doch den einen Schritt zu tun, den einen Entscheidenden fiel mir Extrem schwer! 

  • Anfang September habe ich mich in einer Therapie begeben!

Jetzt werdet ihr bestimmt denken, das ist wegen meiner Multiple Sklerose gewesen, warum ich diesen einen Schritt gemacht habe! 

NEIN

Das wirkliche W A R U M

Die Vergangenheit hatte mich des Öfteren eingeholt! Immer und immer wieder! Ja klar es waren nur die Ereignisse die mich am meisten traumatisiert, belastet und geprägt haben!

O M G gut, dass mich keiner hinterm Bildschirm sehen kann, ich bin schweißgebadet, verdrücke ein paar Tränchen und ringe um meine Worte – JA hat bei mir ein Seltenheitswert – denn mit jedem Wort durchlebe ich alles ein Stückchenweit das Erlebte nochmal!

Doch es tut gut, denn mit jedem Wort spüre ich eine kleine Erleichterung! 

Welche Ereignisse das waren? 

  1. Zum einen die jahrelange (um genau zu sein bis zu meinem 27. Lebensjahr) häusliche Gewalt und Missbrauch, dass mir mein Vater zugefügt hatte! 

    Ich kannte meinem Vater nur gewalttätig, nur aggressiv! 
    Schöne Worte, schöne Gesten?
    Nur in die Öffentlichkeit ab und zu und nur wenn nötig!

    Vor allem hatte er den Drang dazu genau dann einem zu schlagen, wenn man es entweder nicht erwartet hatte oder wenn man sich am wenigsten wehren konnte. Zudem kam hinzu, dass er immer so zuschlug, dass man es nicht sieht, in meinem Fall war das IMMER am Kopf! 

    Kann dieses Gefühl kaum in Worte fassen, wie es sich anfühlt, wenn man aus dem nichts, eine Faust gegen den Kopf gedonnert bekommt. Wenn man für ein Bruchteil einer Sekunde, das Gefühl hat, der Kopf löst sich vom Hals ab und kullert wie ein Basketball auf den Boden.

    Wenn man nicht das tat, was einem gesagt wurde, oder wenn man ängstlich geschaut hat, mit dem Wissen gleich passiert es wieder. Man betet in dem Moment, dass es nicht schlimm wird, dass man keine bleibenden Schäden hat und das Ganze einfach nur aufhören mag. 

    Als Kind hatte er wenigstens noch mit dem Lineal oder Gürtel auf mir eingeschlagen, doch als ich älter wurde, musste leider mein Kopf die ganze Zeit, herhalten. Wenn er abends (immer gegen 18:30 Uhr) nach Hause kam) bekam ich Herzrasen, rauchte aus Angst eine Zigarette nach der anderen! Ich wusste es schon an die Art wie er die Tür aufgemacht hatte, welcher Laune er sich bediente!

    Ich versuchte mich immer zu beschäftigen in der Hoffnung er ließe mich dann in Ruhe! Doch das war nur mein Wunschdenken, denn es gaben auch Male wo er sich daran gestört hatte, dass ich am Rechner sitze und meine Bachelorarbeit schreibe, so kam er Wutgeladen auf mich zu, knallte mir zuerst auf dem Hinterkopf eine.

    Bis ich reagieren konnte, hatte er schon mein Laptop (und jeder von uns weiß, dass vor einigen Jahren die Laptops nicht wirklich mit einem Fliegengewicht glänzten) in der Hand und knallte es mir gegen den Kopf! Es tat so Hölle weh, konnte nicht einmal weinen weil er sonst noch mehr drauf gehauen hatte. Diese Ängste, diese Panik kann ich nicht Worte in fassen.

    Ich hatte Angst nach Hause zu gehen, hatte Angst zu schlafen, denn vielleicht fällt ihm nachts im Schlaf ein, dass ich für X und für Y noch nicht bestraft wurde! Und am meisten hatte ich Angst, dass ich unter seinen Händen wegsterben würde mit dem Wissen, er hat es getan weil er es wollte!

    Bis heute habe ich Phasen in denen ich in Tränen ausbreche sobald ein Mann mit leichter tiefer Stimme anfängt den Ton zu erheben! Ich erschrecke mich noch ab und zu wenn ich auf der Straße ein Mann sehen der Ähnlichkeit mit meinem Vater hat.

    Warum ich nicht gegangen bin? 

    Oh, wie oft ich das versucht hatte, doch die ganze Geschichte hatte einen Haken! Seitdem wir 1990 nach Deutschland gekommen waren, sind wir hier bis 2010 nur geduldet worden. Er hat uns (meine Mama und mich) damals nach Deutschland geholt aufgrund einer Familienzusammenführung. Bedeutete all die Jahre, wir waren von meinem Vater abhängig, dass was für in gegolten hat, galt auch für uns! 

    2007 als er mich das letzte Mal schlug, waren wir auf die Straße. Er hatte einen kompletten Blackout. Er packte mich hinten am Genick und warf mich auf dem Boden, ja ich war mir sicher, dass ich das eine Mal NICHT überleben würde. Dann fing er an auf mich einzuschlagen. Mit einem Fuß Richtung Leber und mit den Fäusten auf den Kopf, dabei schrie er nur einen Satz raus „Ich habe dich gemacht, ich werde dich auch umbringen. 

    Was er nicht bedacht hatte war zum einen, dass wir auf die Straße waren und zum anderen, dass wir (GOTT SEI DANK) beobachtet wurden, so konnte die Polizei gerufen werden. Er zog mich an den Haaren hoch und schleifte mich in die Wohnung, wo er weiter auf mich einschlug. Ich hatte solche Panik, solche Angst und Gott war jede Sekunde in meinen Gedanken, ich bat ihm mich wenigstens am Leben zu lassen! 

    Bald darauf kam die Polizei, er war total aus dem Häuschen, sehr nervös und versuchte die Polizei wegzuschicken. Doch einer von ihnen (bin ihm bis heute vom Herzen dankbar) spürte, dass da was faul war. Als er mich fand bin ich zusammengebrochen!

    Weiß nur noch, dass mir als Letztes meine Mama durch den Kopf ging und ich mich beim Gott dafür bedankt hatte noch am Leben zu sein. 

    Danach kam ich für mehr als 2 Jahre in polizeiliche Betreuung, wo ich mich dann zu unregelmäßige Zeiten mich auf dem Revier melden musste und mein Vater bekam ein Eintrag bei der Polizei wegen häuslicher Gewalt, dass bis heute noch bei ihm Führungszeugnis steht! Ein Glück hatte ich die Kraft den Kontakt zu ihm abzubrechen.

    Doch leider wohne ich immer noch hier wo ich ab und zu noch an die schlimmen Ereignisse erinnert werde, doch bin ich froh und dankbar am Leben zu sein und ein einigermaßen geregeltes Leben führen zu können. Doch Ängste plagen mich leider bis heute noch.

    #gewaltgegenfrauen ist NICHT Sexy! Und auch wenn ich bis heute noch traumatisiert bin, es einigermaßen gelernt habe damit zu leben, trage ich tiefe Narben in meinem Herzen, auf meiner Seele, denn bis heute habe ich durch die Gewalt große Schwierigkeiten Nähe zuzulassen. Ich habe zwar keine Probleme auf Menschen zuzugehen, doch ich habe große Probleme Nähe anzunehmen!

  2. Zum anderen die beiden Abschiebungen die mich bis heute verfolgen!

    An die erste Abschiebung kann ich mich leider nicht mehr erinnern und an die zweite nur die für mich an den prägendsten Momenten! 

    Wie läuft den eine solche Abschiebung ab? 

    Nun ich kann dies nicht verallgemeinern nur sagen wie es bei uns (meiner Mama und mir) ablief! 

    Der Clou dabei, man weiß NICHT was die Abschiebung vollzogen wird! Hieß für uns, es war nicht nur ein Tag wie jeder andere, sondern auch eine ganz normale Nacht. Wir bereiteten uns auf den Tag vor, vollzogen unsere „vor-zu-Bett-geh-Rituale“ und legten uns dann in die Heia! 

    Plötzlich (wie bei der ersten Abschiebung auch) klopfte es um 04:20 Uhr, DERB an die Tür, richtig laut. Wir wussten nicht was los ist, bis laute schreie durch die Tür ertönten „Hier ist die Polizei, machen Sie auf oder wir sind gezwungen die Tür aufzubrechen!“ 

    Mein Vater ging an die Tür und hatte Angst, dass ihm das Ganze galt, doch abgeschoben sollten meine Mama und ich, werden. 

    Es waren 6 Beamten vor die Tür, dich sich relativ schnell den Zutritt zur Wohnung verschafft haben und plötzlich wurden wir zwei aufgefordert ein Koffer zu packen und mitzugehen. Ich hatte tierische Angst, hatte Rotz und Wasser geweint.

    So wollte ich noch bevor wir fahren für kleine Prinzessinnen gehen, doch dies war nicht möglich. Eine Beamtin ist mit aufs WC gegangen und an einer Hand legte sie mir Handschellen, an die mit ihr verbunden war. 

    Ihre Begründung war: „Wir möchte nicht, dass Sie abhauen!“ Ja ne is klar, mit 10 würde ich dann schon sehr weit kommen. 

    Seit dieser letzten Abschiebung, kann ich nicht mehr richtig schlafen. Ich wache (ja auch heute noch) jede Nacht um Punkt 04:00 Uhr auf und sei es nur um kurz aufs WC zu gehen.

    So habe ich leider seit September 1992 jede Nacht ein Déjà-vu, jede Nacht dieselbe Angst und auch wenn diese nur ein paar Minuten anhält, sie ist da! Da ich sehr gerne ein Leben ohne Angst leben möchte, entschied ich mich eine Therapie zu beginnen, eine Therapie zur Trauma Bewältigung!

Ich habe noch ein kleines Stückchen des Weges zu gehen, doch mit viel Zuversicht, Hoffnung und eine große Portion Galgenhumor wird das mit Sicherheit schon sehr bald viel besser werden!

Und auf meine neue Aufgaben wie z.B. das Studium, Selbständigkeit freue ich mich so oder vom ganzen Herzen, so dass ich die “schwere” Zeit sehr gut überbrücken und meistern werde! Denn wisst ihr, es ist nicht immer alles mega geil, aber es gibt jeden Tag kleine Dinge wofür man dankbar sein kann/darf und die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern, ob bewusst oder unbewusst!