Nun ist es soweit. In ein paar Stunden geht mein altes Lebensjahr zu Ende. Ein Jahr voller Höhen und Tiefen, voller Trauer und Freuden, voller Lektionen und ein Stückchen mehr des Erwachsenwerdens.

Am meisten geprägt war das Jahr von Abschieden. Mal von lieben Menschen, mal von Menschen mit denen ich zum Schluss auf keinen gemeinsamen Nenner gekommen war. Es ist unvorstellbar schwer, wenn man lange versucht an einer „Beziehung“ festzuhalten die keine Zukunft hat, dann loszulassen ist hart, doch umso befreiender dann der Moment, wenn man wieder aufatmen kann. 

Auch musste ich meine Lektionen lernen, die ich zwar schnell verarbeitet hatte, doch am Anfang sehr weh taten. Wie z.B. mich genau auf die Dinge zu konzentrieren die mir wichtig sind, die mir gut tun. Klar habe ich das gemacht, doch wie ich schmerzhaft erfahren durfte nicht genug. Denn wenn ich eine Sache nicht gut kann, ist Menschen beiseite schieben, die vielleicht Kontakt mit mir wollten, wir aber „chemisch“ nicht zusammenpassten. 

Denn bevor ich jemanden ein schlechtes Gefühl vermittle, schaue ich dem vielleicht doch gerecht werde. Was leider nicht immer / bis gar nicht funktioniert. 

Womit ich meisten zu kämpfen hatte, waren Beleidigungen, Beschimpfungen seitens der Familie, Freunden, aber auch Menschen, die mich nicht kannten. Viel hatte ich über das Jahr mir anhören müssen, wie böse ich geworden bin, weil ich Geburtstage frühzeitig verlassen hatte oder erst gar nicht hingegangen bin. 

Viele Kommentare wie: „Claudia, nach all den Jahren mit deiner Multiple Sklerose muss es doch endlich mal besser werden, kann doch nicht sein, dass keine Besserung eintritt!“ oder auch sehr verletzende Kommentare wie „Also, dass du Familienfeste immer zeitig verlässt, zeugt nur, dass du dich für etwas Besseres hältst. Wäre es nicht an die Zeit dich mal von einem Psychologen untersuchen zu lassen?“ ließen viele Tränen fließen.

Na klar sagen viele „Claudia lass nichts an dich ran was dich verletzt!“, doch ist es leichter gesagt als getan. Denn nach jeder Feier, voller Schmerzen gekrümmt (auch wenn ich nur 5 Minuten da war, was mich schon sehr freut) wenn ich im Auto nach Hause sitze kullern mir Tränen über die Wangen. Tränen, weil ich mich immer noch wundere wieviel Unverständnis um mich rum scharwenzelt.

Knapp 11 Jahre bin ich nun verheiratet und knapp 10 Jahre versuche ich mich bei der Familie zu rechtfertig warum ich jetzt gerade wegen der Fatigue, wegen den Schmerzen nicht mehr kann und nach Hause muss. 

Nie hatte ich Mitleid erwartet, denn die Multiple Sklerose ist KEIN Todesurteil. Ich habe nur einen anderen Rhythmus im Leben und manche Dinge funktionieren eben nicht so wie vor der Erkrankung. Doch mich zu beleidigen oder gar ausfällig zu werden, finde ich ein Tick zu Oversized. 

Die für mich in meinem 38. Lebensjahr wichtigste Entscheidung, die ich je getroffen habe, war mein Beruf (die der Informatikerin) mit meiner Multiple Sklerose Erkrankung zu verbinden. Seit 2011 hieß es „Claudia, du kannst doch nicht dein Beruf mit deiner Erkrankung verbinden, was sollen bloß die anderen denken!“ Nun meine bewusste Entscheidung dieses Jahr, war: 

„SIE SOLLEN DENKEN WAS SIE MÖCHTEN SOLANGE SIE MICH IN RUHE LASSEN!“ 

Seit diesem Moment ging es für mich, für mein inneres Wohlbefinden, steil bergauf. Es fühlte sich richtig an, denn ich habe eine Message in die Welt zu tragen. Dies werde ich tun, auch wenn mir keiner zuhört oder sich dafür interessiert. Klar geht es mir auch um die Aufklärung der Multiple Sklerose, doch viel mehr geht es mir darum meinen Job zu machen. 

Ich meine, sollen die knapp 5 Jahre Studium einfach umsonst gewesen sein? 

Ganz klar: NEIN

Wisst ihr meine Multiple Sklerose begleitet mich 24 Stunden an 7 Tagen, heißt sie holt sich die Aufmerksamkeit, die sie braucht, doch ich bin immer noch ihr Chef! Arrogant bin ich sagt ihr? Nein keinesfalls. Denn ich habe auch meine Bedürfnisse! Bin neugierig auf das Leben, will genauso wissen was hinter dem schwarzen Loch sich befindet als auch Menschen zu mehr digitales Bewusstsein, bewegen / animieren / inspirieren. 

Für mich gibt’s „GEHT NICHT“ erst nachdem ich alle Alternativen ausgeschöpft habe und nicht einmal dann glaube ich, dass etwas nicht geht! 

Vor allem hätte ich NIE im Leben gedacht, dass ich gegen Ende des Jahres, für meine Entscheidung Beruf und Erkrankung miteinander zu kombinieren, einen Award bekomme. Dass ich dafür den ersten Platz belege, das motivierte und bestätigte mich in meiner weiteren Vorgehensweise. 

  • NICHT AUFZUGEBEN, 
  • Daran glauben meine Ziele und Träume erreichen zu können,
  • Weiterhin so sein wie ich bin, 
  • Also Crazy und das Leben sowie mich selber ab und an auf die Schippe zu nehmen!

Jetzt nähere ich mich schon gegen Ende meines 38. Lebensjahres mit einer entscheidenden Veränderung. Ich habe mir meinen größten Wunsch erfüllt, ich habe meinen eigenen Online-Blogmagazin gegründet. Noch ist es klein und unbekannt, doch ich bin guter Dinge, dass wir gemeinsam etwas großes Reißen können.

Mein Online-Blogmagazin für mehr Awareness, ob digital, analog oder mehr Bewusstsein fürs eigene Leben

Gemeinsam für die Menschen eine Inspiration sein können, die sich nicht trauen ihre Träume umzusetzen. Das wichtigste bei allem ist doch, dass man die Lebensfreunde nicht verliert, an das Gute im Menschen glaubt und stets freundlich ist vor allem zu sich selber. 

Ich möchte allen Danken die an mich geglaubt haben, die mich bei dieser Entscheidung unterstützt haben und ich freue mich wenn 2020 ein unvergesslich geiles Jahr wird! 

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